35 Jahre Bioland – weil Bio für uns Überzeugung ist
35 Jahre Bioland. Wenn wir diese Zahl aussprechen, dann hängen daran unzählige Erinnerungen, Erfahrungen und auch Herausforderungen. 1990 haben wir angefangen, unseren Betrieb nach den strengen Bioland Richtlinien umzustellen. Damals bedeutete das zunächst zwei Jahre Umstellungszeit. Erst im dritten Jahr durften wir unsere Ernte offiziell als Bioland Ware vermarkten. Am Anfang bauten wir vor allem Getreide an. Gerste, Hafer, Roggen und Weizen. Dazu etwas Erbsen. Nach der Ernte kamen viele Zwischenfrüchte auf die Felder, damit der Boden lebendig bleibt und neue Kraft sammeln kann. Im ersten offiziell zertifizierten Jahr kamen dann die ersten Kartoffeln dazu. Gerade einmal ein Hektar. Vermarktet wurde zunächst ganz einfach über einen kleinen Selbstverkaufsstand direkt am Hof.
Heute wirkt das fast beschaulich. Doch damals war Bio noch echte Pionierarbeit. Viele Verbraucher erinnern sich vielleicht noch daran, wie ungewöhnlich Bio Produkte Anfang der 1990er Jahre wirkten. Die Regale waren klein, die Auswahl begrenzt und oft mussten Bio-Landwirte ihre eigenen Wege finden. Genau das haben wir gemacht. Gemeinsam mit anderen Bio-Pionieren aus der Region entstanden erste Vermarktungswege. Denn Vertriebsstrukturen gab es kaum. Karsten Ellenberg war damals mit daran beteiligt, Ökokorn aufzubauen und engagierte sich im Vorstand. Ökokorn ist ein Erzeugerzusammenschluss, bei dem die Mitglieder ihre Getreideerzeugnisse aus ökologischem Anbau gemeinsam vermarkten. Was heute vielerorts selbstverständlich erscheint, musste damals Stück für Stück aufgebaut werden.
Die Gründe für unsere Umstellung waren vielfältig. Die konventionelle Landwirtschaft fühlte sich für uns nicht mehr richtig an. Gleichzeitig standen wirtschaftliche Fragen im Raum, denn die Preise unterlagen großen Schwankungen. Für uns war klar: Wir wollten einen anderen Ansatz verfolgen. Die ersten Jahre waren geprägt von viel Handarbeit und intensiver Beobachtung der Böden. Zwischenfrüchte spielten dabei eine wichtige Rolle, um die Felder lebendig zu halten und natürliche Kreisläufe zu unterstützen. Es war eine Zeit des Lernens, aber auch des Zusammenhalts mit anderen Betrieben, die ähnliche Wege gegangen sind.
Besonders prägend war für uns der wachsende Kontakt zu Verbraucherinnen und Verbrauchern. Immer mehr Menschen wollten wissen, wo ihr Essen herkommt. Manche fragten schon früh gezielt nach bestimmten Kartoffelsorten. Das hat uns bestärkt und unseren Weg geprägt.1993 und 1994 begannen wir zusätzlich mit dem Gemüseanbau. Möhren und Zwiebeln wuchsen gut, doch die Vermarktung war schwieriger. Die Kartoffel dagegen entwickelte sich immer stärker zu unserem Herzensthema. Die Vielfalt der Sorten, die unterschiedlichen Geschmäcker und die Begeisterung vieler Kunden haben uns immer weiter in diese Richtung geführt.
Ende der 1990er Jahre kam dann ein Thema auf, das uns zusätzlich bestärkt hat: die Gentechnik. Einige Pflanzenzüchter versprachen damals große Vorteile, auch für den Öko Anbau. Doch wir waren skeptisch. Zu viele Fragen waren offen. Welche Folgen hätte das für Natur und Landwirtschaft? Welche Abhängigkeiten würden entstehen? Für uns war klar: Wir wollten weiterhin auf natürliche Vielfalt setzen. So begann Karsten Ende der 1990er Jahre damit, alte Kartoffelsorten aus einer deutschen Genbank auszuprobieren. Daraus entstand mit der Zeit sogar eine eigene Kartoffelzüchtung nach den strengen Bioland-Richtlinien. Viele neue Zuchtstämme haben sich bis heute hervorragend entwickelt. Sie bringen Geschmack, Vielfalt und Robustheit mit und sind bestens für den Bio Anbau geeignet.
Wenn wir heute auf diese 35 Jahre zurückblicken, dann erfüllt uns das mit großer Dankbarkeit. Gegenüber unserer Familie, unseren Mitarbeitern, anderen Bio-Pionieren und natürlich Ihnen als Kundinnen und Kunden. Bio war für uns nie ein Trend. Bio ist Überzeugung, tägliche Arbeit und Verantwortung für kommende Generationen. Und gleichzeitig freuen wir uns sehr darüber, dass heute immer mehr Menschen Zugang zu Bio-Lebensmitteln finden. Denn nachhaltige Landwirtschaft gelingt nur gemeinsam.
Nun wurden wir für unsere 35-jährige Mitgliedschaft bei Bioland geehrt. Das hat uns sehr gefreut und zeigt uns, wie lange uns dieser Weg inzwischen schon begleitet. Auf die nächsten 35 Jahre. Und darauf, dass Bio irgendwann einfach selbstverständlich wird.
Der Bioland Verband
Der Bioland ist heute der größte ökologische Anbauverband in Deutschland. Über 9.000 Bioland Betriebe, Imkereien, Winzer sowie mehr als 1.300 Partner aus Verarbeitung, Handwerk und Handel arbeiten nach den strengen Bioland Richtlinien. Gemeinsam setzen sie sich für eine Landwirtschaft ein, die Böden schützt, Artenvielfalt fördert und hochwertige Lebensmittel erzeugt. Im Mittelpunkt stehen geschlossene Kreisläufe, nachhaltiges Wirtschaften und ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Klima.
vom: 22.05.2026Die Mutterknolle des Betriebs
So vielfältig das Kartoffel-Angebot der Familie Ellenberg auch ist - strukturell herrscht auf ihrem Hof im niedersächsischen Barum Einheitlichkeit:
Der im Landkreis Uelzen / Lüneburger Heide angesiedelte Betrieb wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Seit 1984 befindet sich dieser im Besitz von Karsten Ellenberg, der hier aufgewachsen ist und den Kartoffel-Anbau buchstäblich von Kindesbeinen an gelernt hat.

