Ein Jahr mit vielen Wetterlaunen

Das Kartoffeljahr 2026 war von Anfang an durchwachsen. Der Frühling startete kühl. April und Mai lagen spürbar unter dem langjährigen Mittel, die Böden brauchten lange, um sich zu erwärmen. Danach begann direkt eine längere Trockenphase, weshalb wir in frühen Beständen schon im Juni mit der Beregnung angefangen haben, um den Pflanzen den Trockenstress zu nehmen.

Die Kraut- und Knollenfäule ist im ökologischen Anbau besonders gefürchtet. Dieses Jahr gab es zwei Wellen: Anfang Juni traf es vor allem den Südwesten mit regionalen Starkregen, Anfang Juli kam ein zweiter, dann flächendeckender Befall dazu. Zum Glück war er nicht besonders aggressiv, und die Ertragsbildung war zu dem Zeitpunkt schon so weit fortgeschritten, dass der Druck insgesamt spürbar geringer blieb als in den letzten Jahren, vor allem im Vergleich zu 2024. In Bayern spielte Krautfäule dieses Jahr praktisch keine Rolle, dafür vertrocknen dort vielerorts die Kartoffeln, weil viele Betriebe gar nicht beregnen können. Auch in Österreich ist es gerade extrem trocken.

Wie viele andere Berufskollegen und Hobbygärtner hatten auch wir in diesem Jahr verstärkt mit Kartoffelkäfern zu kämpfen. Die Käfer sind gefräßig, und ihre Larven vermehren sich rasant. Besonders in Süddeutschland wurden sie in dieser Saison zur echten Plage.

Richtig ungemütlich wurde es dann im Juli. Eine Hitzewelle setzte vor allem unserer Sorte Mayan Gold zu, die eigentlich eher maritimes Wetter wie in Schottland mag. Von ihr haben wir deshalb deutlich weniger geerntet als von unseren anderen Sorten. Insgesamt war es auch kein Belana-Jahr. Dazu kam an einem einzigen Tag bis zu 70 Liter Regen, eine übliche Gewitterfront bringt sonst nur 20 bis 30 Liter, im ständigen Wechsel mit Trockenheit. Was Kartoffeln während ihres Wachstums sonst gut wegstecken, schaffen sie bei Hitze nicht. An den heißesten Tagen sind unsere Kartoffeln im Wachstum einfach stehengeblieben. Das zeigt sich jetzt bei der Ernte: Die Knollen sind nicht so groß wie im vergangenen Jahr, aber ordentlich und durchschnittlich groß. Lediglich bei der Sieglinde werden wir in den kommenden Tagen kleinere Knollen ernten. Nach der Rekordernte 2025 mit vielen Übergrößen ist das für unsere Pflanzkartoffeln sogar eine ausgesprochen schöne Sortierung. Auch unser Getreide hat kleinere Körner gebildet, während Erbsen und Ackerbohnen sich noch halbwegs gut geschlagen haben. Deutschlandweit sieht das Bild ähnlich gemischt aus

Die Anbaufläche für Kartoffeln ist 2026 gegenüber dem Vorjahr um etwa elf Prozent zurückgegangen, in Teilen Europas sogar zweistellig. Grund ist die Rekordernte 2025: Da wurde so viel geerntet wie seit 25 Jahren nicht mehr, und die Preise waren entsprechend gefallen. Bei uns in Niedersachsen wächst fast jede zweite deutsche Kartoffel. Auch hier ist die Fläche um rund zehn Prozent kleiner geworden, wir rechnen auf unserem Hof aber mit einer guten, durchschnittlichen Ernte. Anderswo sieht es schwieriger aus, vor allem im Süden und Westen, wo der Regen ausblieb. Dort fehlt vielerorts auch Tierfutter. Nach der Dürre wird es knapp, die Preise steigen, und Futter zuzukaufen wird für viele Betriebe kaum noch bezahlbar. Manche denken deshalb schon jetzt über frühere Schlachtungen nach, was im Winter zu einem Überangebot an Fleisch führen könnte.

Bei uns steht neben der Kartoffelernte jetzt noch die restliche Bohnenernte an. Ein Teil ist bereits gedroschen, zwei Felder warten noch auf die Ernte.

vom: 22.08.2026

Was passiert bei Hitze mit Kartoffeln beim Wachstum?

Im Juli hatten wir fast landesweit über 40 Grad, so heiß wie schon lange nicht mehr an unserem Standort. Im Kartoffeldamm haben die Knollen bei diesen Temperaturen förmlich gekocht.

TV-Dreh mit Quarks, der Wissenssendung

Zwei Tage lang hatte das WDR-Magazin Quarks bei uns die Kamera dabei, für die Sendung 'Die Zukunft der Kartoffel'. Warum unsere Kartoffeln so schmecken, wie sie schmecken, erfahren Sie im Beitrag am 24. September 2026.

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